Wie gesund ist Anderlecht? "Starke Basis trotz Zweifel"
FREITAG, 27 MÄRZ 2026, 23:26 - RSCA Skater
ANDERE In der Serie "Wie gesund ist dein Verein?" analysiert Het Nieuwsblad zusammen mit dem Sportökonomen Wim Lagae (KU Löwen) die finanzielle und strukturelle Lage belgischer Profi-Vereine. Diesmal wurde Anderlecht unter die Lupe genommen.
Wer hält die Zügel in der Hand?
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Weiter lesen Den größten Anteil des Vereins besitzen Marc Coucke und sein Geschäftspartner Joris Ide, wobei Letzterer eher im Hintergrund bleibt. Nach seinem Rücktritt als Präsident Ende 2025 verkaufte Wouter Vandenhaute seine Anteile an Geert Duyck. Seitdem ist Coucke wieder etwas aktiver: Er berief Michael Verschueren zum Präsidenten und holte Kenneth Bornauw als CEO zurück.
Die Analyse eines Experten
Wim Lagae sieht die turbulenten Jahre bei Anderlecht als überwunden an. Zwar mögen die Fans das anders empfinden, doch laut ihm hinterlässt Vandenhaute ein positives Erbe: Unter seiner Führung wuchs der Umsatz nämlich deutlich und in den vergangenen drei Jahren lagen die Einnahmen jeweils über 100 Millionen Euro. Anderlecht ist zudem als Marke stärker geworden und legt bei den Heimspielen den Fokus mehr auf das Erlebnis.
Finanziell arbeitete der Verein effizienter und schaffte es, die Lohnkosten zu senken, was ein wichtiger Fortschritt darstellt. Diese Einsparungen haben jedoch eine Kehrseite: Das Lohnbudget liegt um 24 Millionen Euro unter dem von Club Brügge, was sportliche Leistungen naturgemäß einschränkt. Ein vierter Platz würde deswegen den finanziellen Möglichkeiten entsprechen.
Lagae hält es jedoch für unwahrscheinlich, dass Anderlecht bald wieder die dominierende Rolle in Belgien übernimmt. Interne Veränderungen belasten die Abläufe und die Lücke zu Club Brügge bleibt sehr groß. Eine Rückkehr in die Champions League wäre seiner Ansicht nach entscheidend, weil sie zusätzliche Einnahmen bringt und die Transferwerte der Spieler erhöht.
Aktuelle Situation innerhalb des Vereins
Trotzdem herrscht noch viel Unsicherheit: Für den Sportdirektor Olivier Renard gibt es noch keinen Nachfolger und Trainer Besnik Hasi wurde entlassen und vorübergehend durch Jérémy Taravel ersetzt.
Sportlich fällt auf, dass Anderlecht stark auf die eigene Jugend setzt: Zehn selbst ausgebildete Spieler erhalten Einsatzchancen, womit der Verein auf diesem Gebiet zu den Spitzenreitern in Belgien zählt.
Schlussfolgerung
Anderlecht hat seine Einnahmen steigern und gleichzeitig Kosten, vor allem bei den Löhnen, verringern können. Das geringere Budget erschwert dem Verein jedoch, ernsthaft um den Meistertitel mitspielen zu können.
Gesellschaftliche Rolle
Daneben engagiert sich Anderlecht auch gesellschaftlich: Man investiert in die Jugendarbeit, den Frauenfußball und soziale Projekte. Mit der Initiative "Tous Mauves" richtet sich der Verein auch gezielt an benachteiligte Jugendliche in Brüssel.