Anderlecht sucht ein Gleichgewicht zwischen A-Kader und Futures
MITTWOCH, 9 SEPTEMBER 2026, 18:25 - RSCA Skater
1B Anderlecht hat in diesem Sommer kräftig in den A-Kader investiert, doch das hat auch Folgen für die Entwicklung der eigenen Talente. Während Spieler wie Noa Ojea und Joshua Nga Kana bereits erste Einsätze im Profibereich sammeln durften, kämpfen die RSCA Futures in der Challenger Pro League um jeden Punkt. Mit nur einem Zähler aus vier Spielen sind die Alarmglocken längst zu hören.
Die Jugendakademie von Anderlecht wurde in den vergangenen Wochen noch viel gelobt. Trainer Vitor Bruno ließ während der Qualifikationsspiele für die Europa League mehrere junge Spieler Minuten sammeln und sah unter anderem, wie Joshua Nga Kana, Jayden Onia Seke, Noa Ojea und Noah Kalonji auf sich aufmerksam machen konnte. Gegen Kairat Almaty standen sogar neun Spieler auf dem Platz, die aus der eigenen Jugendakademie kommen.
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Weiter lesen Inzwischen hat sich die Lage allerdings verändert. Anderlecht holte elf Neuzugänge für den A-Kader und steht nach fünf Spielen mit sieben Punkten bereits unter Druck. Die Neuverpflichtungen müssen nun rasch ihren Mehrwert unter Beweis stellen. Für einige junge Spieler droht dadurch nun eine Rückkehr zu den Futures.
Die Futures könnten Verstärkung gebrauchen
Das käme keineswegs ungelegen. Das Team von Jelle Coen ist holprig in die neue Saison gestartet. Gegen Beerschot unterlag Anderlecht trotz numerischer Überzahl, während gegen Jong Gent der Ausgleich erst tief in der Nachspielzeit fiel.
Thomas Foket führt die Futures als erfahrener Kapitän an, kann den Unterschied bislang aber nicht allein ausmachen. Gleichzeitig fehlt es der jungen Mannschaft an genügend Spielern, die bereits an das physische Niveau der Challenger Pro League gewöhnt sind.
Das zeigte sich erneut, als der 16-jährige Milan Debast gegen Beerschot eingewechselt werden musste. Der jüngere Bruder von Zeno Debast machte seine Sache ordentlich, doch Anderlecht will vermeiden, dass die Futures zu oft gegen körperlich stärkere und routiniertere Gegner antreten müssen.
Deshalb wären Spieler wie Zoumana Keita und Kaïs Barry, beide 20 Jahre alt, besonders willkommen. Sie gehörten in letzter Zeit zum A-Kader, könnten für die Futures aber auf dem Platz deutlich mehr bewirken als bei der ersten Mannschaft auf der Bank oder der Tribüne.
Auch Nga Kana und Onia Seke rücken in den Fokus
Auch Joshua Nga Kana und Jayden Onia Seke könnten wieder in die Challenger Pro League geschickt werden. Die beiden Flügelstürmer machten Eindruck, als sie ihre Chance in der A-Mannschaft erhielten, waren in den vergangenen Spielen aber deutlich weniger präsent.
Gerade bei Onia Seke ist das ein heikles Thema. Der Flügelspieler verlängerte erst kürzlich seinen Vertrag, weil er sich Perspektiven im A-Kader ausgerechnet hatte. Eine dauerhafte Rückkehr zu den Futures liegt daher nicht ohne Weiteres auf der Hand.
Das zeigt, wie schwierig das Gleichgewicht ist, das Anderlecht finden muss. Jungen Spielern erste Einsätze in der Profimannschaft zu geben ist das eine, sie anschließend wieder in die Challenger Pro League zurückzuschicken etwas ganz anderes.
Stroeykens scheint keine Option mehr zu sein
Die Futures könnten zusätzliche Qualität jedenfalls gut gebrauchen. Das U23-Team besteht derzeit aus einer Mischung aus eigenen Talenten und neu verpflichteten Spielern. Mattis Seghers und Alexander De Ridder sind Beispiele für Eigengewächse, während Anderlecht unter anderem mit Cheik Koité und Babatunde Akomolede auch auf physische Verstärkung setzte. Enzo Sternal scheint vorerst einer der wenigen Neuzugänge zu sein, der tatsächlich einen Mehrwert bringt.
Mario Stroeykens wäre theoretisch ebenfalls für die Futures spielberechtigt, doch es deutet wenig darauf hin, dass Anderlecht diesen Weg einschlagen möchte. Der 22-jährige Mittelfeldspieler scheint vorerst kein Kandidat für Einsätze in der Challenger Pro League zu sein.
Der Abstieg ist absolut keine Option
Für Anderlecht ist klar: Die Futures dürfen nicht absteigen. Der Verein hat jahrelang alles darangesetzt, seine Talente auf höchstem professionellen Niveau spielen zu lassen. Dieser Platz in der Challenger Pro League ist wichtig für die Entwicklung junger Spieler.
Dennoch scheint sich der ursprüngliche Zweck der Futures allmählich zu verschieben. Das Projekt wurde einst geschaffen, um Talente behutsam in der Challenger Pro League reifen zu lassen. Heute rücken Spieler wie Ojea und Kalonji immer schneller in den A-Kader vor. Das macht es schwieriger, die Futures gleichzeitig konkurrenzfähig und ausbildungsorientiert zu halten.
Die kommenden Spiele werden deshalb wegweisend sein. Mit Lokeren, Francs Borains, Eupen und Lierse auf dem Programm muss das Team von Jelle Coen nun dringend punkten. Am Saisonende steigen zwei Mannschaften ab.
Anderlecht wird also eine Entscheidung treffen müssen: den jungen Spielern, die im A-Kader weniger zum Zug kommen, in der Challenger Pro League wieder Spielpraxis zu verschaffen oder an der aktuellen Auswahl festzuhalten. Eines steht fest: Wenn die Futures überleben sollen, muss schnell mehr Qualität auf den Platz her.