Verwilghen an der Spitze des Scoutings: "Eine tolle Chance"
SONNTAG, 11 JANUAR 2026, 00:06 - RSCA Skater
ANDERE Anderlecht könnte defensive Verstärkung und einen zusätzlichen Stürmer gut gebrauchen, aber der erste Neuzugang in diesem Winter ist kein Spieler. Mit David Verwilghen (37) holte der Verein nämlich einen neuen Verantwortlichen für das Scouting. Der ehemalige Sportdirektor von La Louvière hinterließ dort einen starken Eindruck und soll nun beim Rekordmeister einen effizienteren Scouting-Apparat aufbauen. "Anderlecht musste seine Struktur neu gestalten."
Sein Telefon klingelt inzwischen unaufhörlich, so als wäre er bereits in Neerpede. Verwilghen muss sich jedoch zuerst noch von La Louvière verabschieden und die Schlüssel der Easi Arena abgeben. Einen korrekten Abschluss zu finden, hält er für wichtig, bevor er ein neues Kapitel in Brüssel beginnt. Auffällig: Im vergangenen Sommer gab es ein konkretes Interesse von Standard, doch letztendlich bleibt Verwilghen nicht bei Les Loups. In diesem Winter wird er sogar zum ersten "Transfer" von Anderlecht.
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Weiter lesen "Viele Leute dachten, dass ich La Louvière nicht mitten in der Saison verlassen würde", sagte er. "Aber ich hatte schon länger über meine Zukunft nachgedacht. Ich hatte beschlossen, nicht aktiv etwas zu suchen, aber offen für Chancen zu sein, die sich spontan auftun würden."
Und diese Chancen taten sich tatsächlich auf. "Es gab im Endeffekt drei konkrete Optionen: Anderlecht und zwei ausländische Vereine. Die schwerste Entscheidung war nicht beruflich, sondern menschlich. In La Louvière sind wir längst mehr als Kollegen. Was wir dort zusammen erlebt haben, die Aufstiege, alles, was aufgebaut wurde, das ist schon etwas Besonderes. Aber wenn man spürt, dass eine Geschichte ihr natürliches Ende erreicht, muss man mutig nach vorne schauen."
Der Neuaufbau als Ausgangspunkt
Der Kontakt zu Anderlecht verlief ziemlich selbstverständlich. "Ich kannte Tim Borguet nicht persönlich, aber er rief mich an, ob wir mal reden könnten. Zuerst telefonisch, danach von Angesicht zu Angesicht. Ich habe daraufhin meine Sichtweise und die Arbeitsweise erläutert."
Bei Anderlecht war der Kontext deutlich. "Durch die Wechsel in der Direktion gab es Bedarf an einer Neuaufstellung. Sowohl Tim Borguet als auch CEO Kenneth Bornauw hatten meinen Namen notiert. Wir verstanden uns direkt sehr gut und einige Tage später war alles besiegelt."
Zweifel hatte Verwilghen dabei kaum. "Auf Karrieresicht ist es logisch, dass man 'Ja' zu Anderlecht sagt, vor allem angesichts der Rolle, die sie vorgesehen hatten. Grob gesehen ähnelt sie meiner Funktion bei La Louvière, aber der Unterschied liegt im Entscheidungsprozess: Verhandlungen, Beschlüsse fassen und Transfers finalisieren. Wenn ein Verein dieses Kalibers dir eine solche Verantwortung gibt, fällt die Entscheidung ziemlich schnell."
Timing und praktische Herausforderungen
Der Wechsel kam zu einem auffälligen Zeitpunkt, so kurz vor der Winter-Transferperiode. "Zwei Funktionen gleichzeitig auszuüben? Das ist nicht machbar", lachte er. "Der ursprüngliche Plan war, die Winterpause bei La Louvière vollständig abzuschließen und dann erst im Februar nach Anderlecht zu kommen. Das war auch eigentlich so vereinbart worden."
"Im Endeffekt wurde aber alles vorgezogen und das macht es komplizierter. Ich hätte lieber zuerst alles ruhig abgeschlossen. Nun bekomme ich schon Nachrichten, die eindeutig für Anderlecht bestimmt sind. Wenn mir jemand schreibt, dass ein Spieler für eine Million verfügbar ist, weiß man Bescheid."
Warum nicht nach Standard?
Abschließend erläuterte Verwilghen, warum er nach Anderlecht und nicht nach Standard ging. "Die Ausführung der Funktion unterschied sich deutlich. Bei Anderlecht ist das Paket deutlich umfassender: Führung der Scouting-Abteilung, Spielersichtung, eine Methodik ausarbeiten und die sportliche Vision mitgestalten."
"Bei Standard war die Rolle stärker fragmentiert. Anderlecht arbeitet auf ein deutlich klareres Entscheidungsmodell mit sportlichen und technischen Verantwortlichen hin. Die Struktur, die die neue Direktion aufbaut, passt besser zu dem, wer ich bin. Die Herausforderung ist groß, aber genau das motiviert mich sehr."