Warum Anderlecht Angulo vor der WM verkauft hat

SAMSTAG, 7 FEBRUAR 2026, 21:45 - RSCA Skater
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TRANSFERS Trotz der bevorstehenden WM-Periode, die oft mit einem Anstieg der Marktwerte einhergeht, hatte Anderlecht ein Angebot von ungefähr 20 Millionen Euro für Nilson Angulo angenommen. Eine wohlüberlegte Entscheidung, wie sich zeigt, motiviert durch finanzielle, sportliche und strategische Argumente. Der Verein sieht sich mit mehreren strukturellen Unsicherheiten konfrontiert: die Reform der TV-Rechte, der Anstieg der Mehrwertsteuer auf Tickets und das Fehlen von Einnahmen aus dem Europapokal.

All diese Faktoren haben zu einem geschätzten Defizit von fast 10 Millionen Euro geführt. In diesem Zusammenhang gilt der Verkauf von Angulo als notwendiges Übel, um die Bilanz auszugleichen. Das bedeutet also auch, dass die erzielten Einnahmen nur zu einem kleinen Teil erneut für neue Verstärkungen verwendet werden können.


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Die Angelegenheit ist nicht nur buchhalterisch. Seit dem Sommer hatte Angulo deutlich gemacht, dass er in eine höher eingestufte Liga wechseln wollte. Sein Umfeld ging sogar so weit, das Gesetz von 1978 anzuführen, um einen Abgang zu erzwingen. Anderlecht konnte die Angelegenheit vorübergehend mit einem neuen Vertrag beruhigen, aber der Drang des Spielers, anderswo seine Chance zu suchen, war nie verschwunden. Auch das ist bemerkenswert. Eigentlich schaffte Angulo erst im vergangenen Herbst wirklich den Durchbruch. Der Rekordmeister hat schon länger mit Spielern zu kämpfen, die (zu) schnell wieder nach oben wollen. Das Verpassen des Europapokals (und insbesondere der Champions League) spielt dabei zweifellos eine Rolle.

Sportlich blieb Angulo ein entscheidender Faktor (in dieser Saison an 13 Toren beteiligt), aber seine jüngste Form zeigte einen Rückgang. Anderlecht fürchtete ein Amuzu-Szenario, bei dem ein großes Angebot letztlich verschwindet. Deshalb entschied sich Anderlecht dafür, zu kassieren, als der Wert des Spielers am höchsten schien, anstatt auf einen möglichen Wertanstieg nach der WM zu setzen, der als zu unsicher eingeschätzt wurde.

Der Abgang des jungen Ecuadorianers schafft Platz für eine neue Generation: Kanaté, Degreef ... Die sportliche Leitung möchte an einer Strategie festhalten, die auf „High Potentials“ ausgerichtet ist, wie bereits bei der Verpflichtung von Cvetkovic, Dao und Angély deutlich wurde. Die Verpflichtung von Coba da Costa in den letzten Stunden des Transferfensters passt in dieselbe Linie: man setzt auf Potenzial, ohne unmittelbare Garantien. Unserer Meinung nach ist das eine edle, aber ebenso gefährliche Strategie. Ohne eine Handvoll erfahrener Führungsspieler läuft der Verein Gefahr, junge Talente schnell zu verheizen. Außerdem entwickelt sich nicht jedes Talent zu einem Topspieler. Der Verein setzt sich auf diese Weise jedenfalls enormen sportlichen Höhen und Tiefen aus, was dazu führen kann, dass man den Europapokal verpasst und in eine neue Abwärtsspirale gerät.

Quelle: © Eigene Quelle