INTERVIEWS In einem exklusiven Interview mit Het Laatste Nieuws hat Olivier Renard seine Version der Ereignisse nach seinem bemerkenswert schnellen Abgang als Sportdirektor bei RSC Anderlecht geschildert. Seine Zeit im Lotto Park war von kurzer Dauer und Renard machte deutlich, dass die Verhältnisse innerhalb der Vereinsführung komplizierter waren, als es nach außen hin den Anschein hatte. Der Verein distanziert sich ausdrücklich von diesem Interview.
Sündenbockstrategie
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Weiter lesen Mit einem bitteren Nachgeschmack blickte Renard auf die Verantwortungslinien im Verein zurück. Seiner Darstellung zufolge war die interne Dynamik so angelegt, dass Erfolge breit geteilt wurden, während im Falle sportlicher Misserfolge ausschließlich der Sportdirektor die Schuld abbekam. "Wenn es sportlich nicht lief, war es nur meine Schuld", sagte Renard unverblümt. Er habe sich in eine Position manövriert gefühlt, in der er die Schläge einstecken musste, ohne die volle sportliche Kontrolle zu haben und richtete dabei auch Vorwürfe gegen Tim Borguet.
Mangel an Mitbestimmung
Obwohl er geholt worden sei, um die sportliche Linie vorzugeben, beklagte Renard mangelnden Einfluss bei entscheidenden Entscheidungen. Er zeichnete das Bild einer Führung, in der die sportliche Vision mitunter anderen Interessen innerhalb der Vereinshierarchie untergeordnet wurde. "Meine Aufgaben waren: die Top-3 erreichen, den Kader verjüngen, die Gehaltsmasse senken und bei Spielern einen finanziellen Mehrwert schaffen."
Kurzfristiger Prozess
Renard hebte die enorme Ergebnis- und Zeitdrucksituation im Lotto Park hervor: Die Erwartung, sofort Erfolge zu liefern, kollidierte mit dem Aufbau einer nachhaltigen sportlichen Struktur. "Das schafft man nicht in anderthalb Jahren", sagte er und erlebte seine Entlassung als Ausdruck von Ungeduld und mangelndem Vertrauen in den Prozess, den er etablieren wollte. Zudem spricht er offen von Verleumdungskampagnen gegen ihn und Besnik Hasi. "So zerstört man den Verein von innen heraus", erzählte er.
Januar
Besonders chaotisch habe sich für ihn die Wintertransferperiode gestaltet. Sein Chefscout sei ohne sein Wissen entlassen worden und er selbst wurde von den Scouting-Sitzungen ausgeschlossen. Die Vorschläge des neuen Scouts David Verwilghen seien sämtlich nicht umsetzbar gewesen. Und plötzlich sei nur noch Sikan als machbare Option übrig geblieben.
Trotz allem betonte Renard, dass der Verein über exzellente Werte verfüge und in den kommenden Jahren sicher mehrere zehn Millionen Euro an Spielern verdienen werde, die er verpflichtet habe.
Das vollständige Interview ist bei Het Laatste Nieuws einsehbar. Wir betonen erneut, dass sich der Verein von Renards Sichtweise distanziert.